Zwangspause – und jetzt??

Mit Zwangspausen im Reitsport bin ich momentan Profi. Erst ich, nun hat Herr Pferd den Schein eingereicht. Logisch, dass es hier auch emotional zu Tiefpunkten kommt – gerade wenn man leidenschaftlicher Reiter ist und sich auch im Turniergetümmel rund um wohl fühlt. Mehr als ein paar Schrittrunden sind allerdings seit Monaten nicht drin. Und trotz positiver Grundeinstellung kommt es zumindest phasenweise zu kleinen Frustattacken. Noch schlimmer ist es oft für Reiterkollegen, die gerade mitten in der Turniersaison stecken, evtl. noch Leistungsziele haben und kurz vor der Erreichung eines großen Traums stehen und dann plötzlich vom Schicksal stillgelegt werden.

Was mache ich jetzt in dieser ungeplanten Auszeit, um sowohl reiterlich fit, als auch motiviert und freudig bei meinem Hobby zu bleiben? Wie kann ich mich aus meinen Frustphasen erfolgreich herausmanövrieren und die Zeit evtl. sogar sinnvoll nutzen? Ein paar erfolgreiche Strategien habe ich tatsächlich für mich entdeckt in den letzten Monaten. Hier also meine Top 5!

Tipp 1: Nutze die freie Zeit um DEINE KÖRPERLICHE FITNESS zu halten oder zu verbessern. Reiter sind zwar Sportler, benutzen aber meist immer die gleiche Muskulatur. Das Stichwort ist also „Ausgleichssport“. Ob Joga, Laufen, gezieltes Krafttraining – tu, was Dir Spaß macht oder was Du immer schon mal ausprobieren wolltest, wofür Du aber auf Grund des Pferdetrainings bisher nie wirklich Zeit hattest. Mein persönlicher Tipp: Probiere Dich mal in Kampfsport. Das trainiert das Körpergefühl, das für uns Reiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist und macht super Spaß!

Tipp 2: BLICKE ÜBER DEN TELLERRAND. Mir hat z.B. der Blick in die akademische Reitkunst und die Schule der Legereté sehr viele neue Impulse gebracht. Einiges davon konnte ich auch bei der Schritt- oder Bodenarbeit direkt umsetzen. Herr Pferd fand es spannend und ist offensichtlich dankbar für die Abwechslung.

Tipp 3: Solltest Du z.B. „nur“ Schrittarbeit oder Bodenarbeit mit Deinem Pferd machen können, ARBEITE AN DER QUALITÄT! Verfeinere das Bekannte und optimiere Eure Schwächen, ganz nach dem Motto „Alles Gute kann noch besser werden“. Ob bessere Lenkung, fließenderes Anhalten und Rückwärts oder eine feinere Reaktion auf Stimmkommandos – all das geht vom Boden oder bei reinem Schritttraining perfekt. Mein Pferd hat über bewusste Schrittarbeit übrigens deutlich an Muskulatur an Rücken und Hals aufgebaut in den letzten Wochen „Schonzeit“! 

Tipp 4: Bring ABWECHSLUNG in Eure gemeinsame Zeit. Das festigt Eure Bindung und Du lernst Dein Pferd eventuell noch mal von einer ganz neuen Seite kennen. Gemeinsame Zeit auf den abgemähten Wiesen, im Wald oder Training mit Alltagsgegenständen, wie z.B. Fußbad in Wassereimern (jetzt im Sommer sinnvoll für die Hufe), Gelassenheitstraining mit Klappersack und Regenschirm oder Kopf senken auf Stimmkommando sind sinnvolle Spielereien, die Dir auch später, wenn der normale Reitalltag zurückkehrt, nützen können.

Tipp 5: REITE MENTAL. Ist Schritt reiten erlaubt – probiere  bewusst aus, welche mentalen Techniken Dich unterstützen können, Deine bestehenden Hilfen zu verfeinern. Beispiel Atmung: Atme bewusst tief aus Deinem rechten Bein aus um nach rechts zu reiten, atme bewusst gedanklich aus Deinem Steißbein aus um anzuhalten. Die Reihenfolge besteht aus: Vorstellung – mentaler Hilfe – Stimmkommando – motorische Hilfe. Je häufiger Du diese mentale Hilfe mit den bekannten Hilfen kombinierst, umso feiner wird Dein Pferd und umso klarer wird Deine Körpersprache. Ganz nebenbei trainierst Du Dein Körpergefühl, Deine Wahrnehmung und Du baust automatisch dadurch Stress und eigene Anspannung ab.

Und für alle Turnierreiter gibt es noch einen 6. Tipp: FAHRE AUF EIN TURNIER und triff Dich mit Freunden! Mein Ausflug vergangenen Sonntag auf ein tolles AQ Turnier war Balsam für die Seele. Die Turnieratmosphäre, Gespräche mit Gleichgesinnten, Fachsimpeleien und das Sehen schöner Ritte meiner Reiterkollegen macht einfach Spaß. Es gibt einem das Gefühl, nach wie vor dabei zu sein.

Ich habe in den letzten Monaten deutlich gemerkt – Reiter bist Du im Herzen, unabhängig von aktiver Reitzeit, Erfolgen oder Trainingsstatus!

 

Regina Horn-Karla

Kommentare sind geschlossen.